Aachen (NRW): Über 100 weitere Todesfälle – Ermittlungen gegen Ex-Pfleger Ulrich S. ausgeweitet
Der Mordkomplex um den ehemaligen Krankenpfleger Ulrich S. aus Aachen nimmt eine neue, erschütternde Dimension an. Nur wenige Wochen nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen zehnfachen Mordes prüft die Staatsanwaltschaft Aachen inzwischen deutlich über 100 weitere Verdachtsfälle. Die Ermittler sprechen von einem Anfangsverdacht, der jedoch das Ausmaß der mutmaßlichen Taten erheblich erweitert.
Staatsanwaltschaft spricht von über 100 Verdachtsfällen
Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts bestätigte am Donnerstag, dass die Zahl der aktuell geprüften Todesfälle deutlich über 100 liege. Dabei handele es sich ausdrücklich um Verdachtsfälle, deren strafrechtliche Relevanz noch geprüft werde. Dennoch verdeutlicht diese Zahl, dass das Urteil von Anfang November womöglich nur einen Bruchteil der möglichen Taten abdeckt.
Erst vor wenigen Wochen hatte das Landgericht Aachen Ulrich S. wegen zehnfachen Mordes sowie 27-fachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Zusätzlich stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest – ein klares Signal für die außergewöhnliche Brutalität der Taten.
Ermittlungen reichen weit über Würselen hinaus
Die bekannten Morde ereigneten sich im Rhein-Maas-Klinikum in Würselen. Dort soll Ulrich S. schwerstkranken Patienten Medikamente verabreicht haben, die letztlich zum Tod führten. Die Anklage ging davon aus, dass er die Patienten ruhigstellen wollte, um sich Nachtschichten mit möglichst wenig Arbeitsaufwand zu verschaffen.
Bereits während des Prozesses zeichnete sich ab, dass die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind. Ulrich S. arbeitete vor seiner Zeit in Würselen auch in einer Kölner Klinik. Dort war er zwischen 2010 und 2011 sowie erneut von 2014 bis 2020 als Pflegekraft beschäftigt. Genau dieser Zeitraum rückt nun verstärkt in den Fokus der Ermittler.
Exhumierungen und Datenauswertung laufen
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ließen die Ermittler bereits 27 Leichen exhumieren und rechtsmedizinisch untersuchen. Rund 30 weitere Exhumierungen stehen noch aus. Parallel werten die Behörden beschlagnahmte Unterlagen und Datenträger aus der Kölner Klinik aus, um Auffälligkeiten in Dienstplänen, Medikamentengaben und Todeszeitpunkten zu analysieren.
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Offizielle Informationen veröffentlichen zudem die Polizei NRW und die Staatsanwaltschaft Aachen.
