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„Das war Mist“ – Neue Korrekturen im Lebenslauf von Annalena Baerbock

Kanzlerkandidatin geht auf heftige Kritik ein

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„Das war Mist“
Neue Korrekturen im Lebenslauf von Annalena Baerbock
 
Drei Worte, die das Desaster in Zusammenhang mit dem Lebenslauf der
Grünen-Kanzlerkandidatin perfekt beschreiben, zumal sie noch von ihr
selbst stammen: „Das war Mist“. So geschehen gestern in Berlin. “Meinen
Lebenslauf habe ich knapp und komprimiert veröffentlicht und dabei
unwillentlich einen missverständlichen Eindruck erweckt, den ich nicht
erwecken wollte”, so Baerbock weiter.
 
Video “Kann Annalena Baerbock Kanzlerin“ klick hier
 
Zu heftig war die Kritik an ihrem Lebenslauf, der in den letzten Wochen
immer wieder Beschönigungen, irreführende Angaben oder Fehler aufwies,
als daß dieses unkommentiert bleiben konnten. Zu oft mussten nach
kritischen Nachfragen zu Details schon Korrekturen vorgenommen werden.
Dass sich Baerbock nun erstmals öffentlich zu den Vorwürfen äußert,
zeigt, dass auch die Grünen mittlerweile verstanden haben, wie genau,
kritisch und detailliert die Spitzenkandidaten unter die Lupe genommen
werden. Jeder noch so kleine Fehler wird dabei vom politischen Gegner
aufgegriffen und gnadenlos durch die Medien getragen.
 
Hatten sich die Grünen und auch Baerbock selbst vor der Grünen
Kandidatenkür noch herzlich über den internen Machtkampf der
Unionsparteien oder die politische Ausrichtung der SPD ausgelassen,
zeigt sich jetzt, dass man im Glashaus besser nicht mit Steinen wirft.
Nachdem es am Wochenende bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auch
eher „geht so“ lief, erfolgten jetzt das längst überfällige „Geständnis“
und weitere Korrekturen.
 
In den vergangenen Tagen wurden insbesondere Angaben zu Mitgliedschaften
in Organisationen „korrigiert“. So wurden zuletzt die vormals
angegebenen Mitgliedschaften im UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sowie beim
German Marshall Fund, einer amerikanischen Stiftung, die sich mit der
Förderung der transatlantischen Beziehungen in Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft beschäftigt, zu „Beiräten, Fördermitgliedschaften oder
regelmäßige Unterstützung“ geändert.
 
Baerbock entschuldigt sich dafür ausdrücklich: “Das tut mir leid, und es
war alles andere als beabsichtigt”. Die Angaben hätten besser
kontrolliert werden müssen, sie, bzw. ihre Partei haben nun aber die
entsprechende Lektion gelernt.
 
Ebenfalls verändert aber von Frau Baerbock bislang noch nicht
kommentiert wurden die Angaben aus der Zeit, als sie zwischen 2005 und
2008 als Büroleiterin der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter
gearbeitet hatte. Eine sicherlich in jedem Lebenslauf herausragende und
rennomierte Position als Leiterin eines Büros in Brüssel stellte sich
bei genauem Hinsehen als Leitung der entsprechenden Büros in Berlin und
Potsdam mit einer späteren, nicht genauer beschriebenen Tätigkeit in
Brüssel heraus.
 
Wer Böses dabei denkt, der könnte nun auf die Idee kommen, dass bei den
„knappen und komprimierten Angaben“ (ihre eigenen Worte) bewusst ein
paar Details weggelassen oder ungenau gemacht wurden. Wenn dann aus
einem Büro für eine Politikerin, die ihrer Position als
Europaabgeordnete entsprechend natürlich in Brüssel tätig ist eine
Büroleitung in Brüssel wird, obwohl gar nicht geschehen, dann könnte man
meinen, es sei vielleicht eine erneute Beschönigung, diese schlicht
falschen Angaben als „ungenau“ zu bezeichnen. Regelmäßige Spenden an das
UN-Flüchtlingswerk sind keine Mitgliedschaft. Fakt.
 
Auch bei den Angaben zu ihrem Studium nahm es Frau Baerbock bislang
nicht so genau. Erst nach dauernder Kritik wurde offiziell bestätigt,
dass sie das Studium der Politikwissenschaft in Hamburg nach dem
Vordiplom beendet hatte, eine Promotion in Völkerrecht, die nach eigenen
Angaben im Jahr 2013 „in den letzten Zügen lag“ wurde abgebrochen, weil
sie sich vermehrt um ihr politisches Mandat kümmern wollte.
 
Es scheint, als habe Frau Baerbock in der Vergangenheit hier und da
„etwas“ übertrieben, verschleiert, geblendet oder manches nicht so genau
genommen. Wie man es auch nennen will, es ist vor allem und sicherlich
nicht redlich, einen Lebenslauf zu präsentieren, der auf den ersten
Blick wie eine erstklassige Vita einer bestens vernetzten Politikerin
mit diversen Erfahrungen und Kenntnissen sowie absoluter
Führungsqualität wirkt, sich dann aber nach genaueren Nachfragen so nach
und nach als ganz schön viel heiße Luft herausstellt.
 
Es liegt nun am Wähler, dieses Verhalten einzuordnen. Hat hier jemand
bewusst getäuscht oder zumindest übertrieben und damit seine
Glaubwürdigkeit verloren? Oder – mal angenommen, bei Frau Baerbock
handelt es sich um eine durch und durch aufrichtige Politikerin – fehlte
es an Durchblick und Kompetenz, einen Lebenslauf zu verfassen. Und ist
das dann eine gute eigenschaft einer zukünftigen Kanzlerin? Man sollte
nicht vergessen, hier geht es nicht um irgendeine Bewerbung, hier geht
 

es um die Bewerbung für das vermutlich wichtigste Amt in Deutschland
oder sogar Europa.
 
Baerbocks Parteikollegen bemühen sich, die Wogen zu glätten und
bezeichnen die berechtigte Kritik und das weitere Nachhaken als
kleinkariert oder zu „Popanz aufgeblähten Kleinigkeiten“, aber da
unterschätzen sie vermutlich die Bürger, die ein gutes Gespür für
Wahrheit, Aufrichtigkeit und Gewissenhaftigkeit haben. Das Ganze
jedenfalls als „Mist“ zu bezeichnen, gibt nicht annähernd wieder, was
hier versucht wurde oder zumindest passiert ist. Besser passt – um mal
mit den Assoziationen im Stall zu bleiben – dass das eine riesengroße
Sauerei ist!

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