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Handybetrug mit gebrauchten Geräten: Razzia in 19 Ländern und sieben Festnahmen

29. September 2026 4 Minuten gelesen
Handybetrug mit gebrauchten Geräten

Foto Zollfahndung Essen

Millionenbetrug mit Mobiltelefonen

Seit den Morgenstunden des 29. September 2026 gehen Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder in 19 Ländern gegen eine mutmaßliche kriminelle Organisation vor. Dabei vollstrecken rund 1.700 Einsatzkräfte etwa 160 Durchsuchungsbeschlüsse. Im Vereinigten Königreich vernehmen Ermittler zudem eine Zeugin.

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein möglicher Handybetrug mit gebrauchten Geräten. Die Gruppe soll mehr als eine Million Mobiltelefone führender Hersteller als Neuware verkauft haben. Tatsächlich sollen die Geräte jedoch aus gebrauchten Bauteilen bestanden haben. Dadurch entstand Verbrauchern in der Europäischen Union nach Schätzungen der Ermittler ein Schaden von mindestens 300 Millionen Euro.

Sieben Haftbefehle bereits am Samstag vollstreckt

Bereits am 26. September vollstreckten Fahnder sieben Haftbefehle in Österreich, Deutschland und Spanien. Unter den Festgenommenen befinden sich auch die beiden mutmaßlichen Anführer der Organisation. Außerdem durchsuchten die Einsatzkräfte insgesamt 15 Objekte.

Sowohl bei den Einsätzen am Samstag als auch bei den umfangreichen Maßnahmen am Dienstag stellten die Behörden zahlreiche digitale und analoge Beweismittel sicher. Darüber hinaus beschlagnahmten beziehungsweise sicherten die Fahnder Vermögenswerte.

Das Zollfahndungsamt Essen koordiniert die Maßnahmen gemeinsam mit der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO), dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen sowie der Polizei Düsseldorf.

Ermittlungen „Troja“: Geräte gelangten über Deutschland in den Verkauf

Nach den bisherigen Erkenntnissen ließ die mutmaßliche Tätergruppe Mobiltelefone aus gebrauchten Bauteilen in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammensetzen. Anschließend sollen die Verantwortlichen die Geräte gereinigt, als Neuware verpackt und in die Niederlande verschickt haben.

Von dort aus gelangten die Mobiltelefone laut Ermittlern anschließend in Lager nach Deutschland. Über verschiedene Online-Marktplätze soll die Gruppe die Geräte schließlich an Kunden in der gesamten Europäischen Union verkauft haben. Somit spielte Deutschland nach bisherigen Erkenntnissen eine wichtige Rolle innerhalb der mutmaßlichen Liefer- und Vertriebskette.

Der Verdacht, dass gebrauchte beziehungsweise aus gebrauchten Komponenten zusammengesetzte Mobiltelefone als Neuware verkauft wurden, bildet einen zentralen Bestandteil der Ermittlungen.

Auch Mehrwertsteuerbetrug im Fokus

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Neben dem möglichen Betrug beim Verkauf der Mobiltelefone prüfen die Ermittler außerdem einen umfangreichen Mehrwertsteuerbetrug. Demnach sollen Briefkastenfirmen seit dem Jahr 2018 eine steuerliche Sonderregelung unrechtmäßig genutzt haben. Die betreffenden Firmen hatten ihren Sitz unter anderem in Österreich, Bulgarien, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz.

Bei der sogenannten Differenzbesteuerung fällt Umsatzsteuer grundsätzlich nur auf die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis an. Nach Auffassung der Ermittler lagen die notwendigen Voraussetzungen dafür bei den untersuchten Verkäufen jedoch nicht vor.

Infolgedessen gehen die Behörden von einem Mehrwertsteuerausfall in Höhe von rund 30 Millionen Euro in mehreren EU-Staaten aus. Allein in Deutschland soll der entstandene Steuerschaden mindestens 25 Millionen Euro betragen.

Den Anstoß für die umfangreichen Ermittlungen gab ein Bericht des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung OLAF. Anschließend nahmen die zuständigen europäischen und nationalen Behörden die mutmaßlichen Strukturen genauer unter die Lupe.

Da die Ermittlungen weiterhin laufen, gilt für sämtliche Beschuldigten die Unschuldsvermutung. Eine Schuld steht daher erst dann fest, wenn sie durch ein zuständiges Gericht rechtskräftig festgestellt wurde.

Kontakt für möglicherweise betroffene Verbraucher

Verbraucher, die vermuten, von dem mutmaßlichen Handybetrug mit gebrauchten Geräten betroffen zu sein, können sich per E-Mail an Troja.GZD@zka.bund.de wenden. Telefonische Anfragen sind nach Angaben der Behörden nicht möglich.

Weitere Meldungen findest Du in unseren Rubriken Deutschland und NRW. Außerdem informiert die Europäische Staatsanwaltschaft über die Ermittlungen.

Wichtige Polizeimeldungen aus der ganzen Welt findest Du hier.

Bei der Erstellung dieses Beitrags wurden KI-Werkzeuge unterstützend eingesetzt. Inhaltliche Prüfung und redaktionelle Verantwortung liegen bei „Blaulicht Report“.

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