Hepatitis A in Skirort in Tschechien: Skiort Boží Dar warnt Touristen vor Schmierinfektionen
Prag/Boží Dar – Kurz vor dem Start der Wintersaison sorgt ein massiver Ausbruch von Hepatitis A in Tschechien für Unruhe. Besonders betroffen sind Prag, Mittelböhmen und der Kreis Karlsbad an der Grenze zu Deutschland. Jetzt warnt der beliebte Skiort Boží Dar im Erzgebirge ausdrücklich vor Schmierinfektionen – und richtet sich damit auch an Tagesgäste und Winterurlauber aus Deutschland.
28 Tote, tausende Infektionen – Ausbruch an deutscher Grenze
Die tschechische Gesundheitsbehörde meldet für dieses Jahr bereits mehrere tausend Hepatitis-A-Fälle und Dutzende Todesopfer. Besonders stark trifft es die Hauptstadt Prag und die Region Karlsbad, zu der auch der Kreis Sokolov nahe der Grenze zu Sachsen und dem Vogtland gehört. Gerade dort machen viele Deutsche einen Tankstopp, kaufen günstig ein oder fahren weiter in die Skigebiete.
Der Wintersportort Boží Dar (deutsch: Gottesgab) reagiert deshalb mit einer ungewöhnlich deutlichen Hygiene-Warnung. In einem öffentlichen Hinweis mahnt der Ort, dass Hepatitis-A-Viren an Türklinken, Einkaufswagen, Toiletten, Geländern oder anderen häufig berührten Flächen sitzen können. Wer im Erzgebirge Ski fährt oder nur zum Einkaufen über die Grenze fährt, soll deshalb konsequent Hände waschen und Desinfektionsmittel nutzen.
Auch die EU-Gesundheitsbehörden verfolgen die Lage genau. Die tschechische Staatsgesundheitsbehörde hat den Ausbruch über das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) an die anderen EU-Länder gemeldet, damit sich Kliniken und Labore rechtzeitig vorbereiten können.
Warum der Ausbruch für deutsche Urlauber wichtig ist
Hepatitis A ist eine hochansteckende Entzündung der Leber, die vor allem über den sogenannten fäkal-oralen Weg übertragen wird. Infizierte scheiden das Virus mit dem Stuhl aus, über ungewaschene Hände oder verunreinigte Oberflächen gelangt es dann leicht in den Mund – etwa beim Essen, Rauchen, Trinken oder beim Nase- und Mundberühren. Schon kleinste Spuren reichen aus.
Weil viele Menschen erst Wochen nach der Ansteckung Symptome entwickeln, kann der Erreger sich unbemerkt verbreiten. Typisch sind zunächst Müdigkeit, Übelkeit, Bauchbeschwerden und leichtes Fieber, später folgen oft dunkler Urin, heller Stuhl und die bekannte Gelbfärbung von Augen und Haut.
Reisemediziner betonen, dass nicht nur klassische Risikogruppen wie Obdachlose oder Menschen mit Drogenkonsum betroffen sind. Durch niedrige Impfquoten in Tschechien trifft es zunehmend auch die allgemeine Bevölkerung – darunter Kinder, Erwachsene ohne Impfschutz und eben Touristen, die sich in Restaurants, Skihütten, Hotels oder im öffentlichen Nahverkehr aufhalten.
Hepatitis A: So schützen sich Skiurlauber und Städtetrip-Reisende
Wer in den kommenden Wochen oder Monaten nach Tschechien fährt – sei es zum Skifahren im Erzgebirge, für einen Kurztrip nach Prag oder für einen Shopping-Ausflug – sollte einfache Hygieneregeln konsequent einhalten. Diese Maßnahmen senken das Risiko deutlich:
- Regelmäßig und gründlich Hände waschen (mindestens 20–30 Sekunden mit Wasser und Seife).
- Wenn möglich zusätzlich Hände desinfizieren, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen.
- Im öffentlichen Nahverkehr, in Liften und Seilbahnen möglichst nicht mit den Händen ins Gesicht fassen.
- Lebensmittel nur aus hygienisch einwandfreien Quellen verzehren, Speisen gut durchgaren lassen.
- Rohes Obst und Gemüse vor dem Verzehr sorgfältig waschen oder schälen.
Auch in Deutschland registriert das Robert Koch-Institut in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg von Hepatitis-A-Fällen. Mehrere Todesfälle stehen im Zusammenhang mit schweren Verläufen, vor allem bei vorerkrankter Leber. Fachleute erinnern deshalb daran, dass es eine wirksame Impfung gibt, die vor Hepatitis A schützt.
Besonders sinnvoll ist der Impfschutz für Menschen mit chronischen Lebererkrankungen, für medizinisches Personal, für Urlauber in Regionen mit erhöhtem Risiko sowie für alle, die regelmäßig nach Tschechien reisen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, die Impfung idealerweise einige Wochen vor Reiseantritt zu planen, sie kann aber wegen der langen Inkubationszeit auch noch kurz vor der Reise sinnvoll sein.
Für Reisende, die sich genauer informieren möchten, bieten offizielle Stellen ausführliche Informationsseiten zu Übertragung, Symptomen und Impfschutz. Dazu gehören unter anderem das Robert Koch-Institut, das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sowie der tschechische Staatliche Gesundheitsdienst.
Was die Lage für Deutschland bedeutet
Aktuell sehen deutsche Behörden trotz des Ausbruchs in Tschechien keine akute Gefahr für die breite Bevölkerung. Trotzdem mahnen sie zur Wachsamkeit, da der Reiseverkehr besonders in der Wintersaison zunimmt und Infektionen aus dem Ausland immer wieder nach Deutschland eingeschleppt werden.
Für Leserinnen und Leser in Deutschland gilt deshalb: Wer nach Prag, in die Region Karlsbad oder in Skigebiete wie Boží Dar reist, sollte den Gesundheitsstatus im Blick behalten, bei anhaltenden Beschwerden frühzeitig ärztlichen Rat suchen und zu Hause den Impfschutz prüfen. Denn je besser die Menschen geimpft sind, desto schwerer hat es Hepatitis A – in Tschechien, in den Grenzgebieten und auch hierzulande.
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