Vier Festnahmen nach Großrazzia
Ermittlern der Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Traunstein zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden und organisierten Kriminalität nach dem “Traunsteiner Modell” sowie der Bundespolizeiinspektion Freilassing ist ein bedeutender Ermittlungserfolg gelungen.
Im Rahmen einer international koordinierten Polizeiaktion wurden am 21. Juli 2026 im Raum Prag vier mutmaßliche Mitglieder einer international agierenden Schleuserorganisation festgenommen.
Europäische Haftbefehle in Prag vollstreckt
Die Einsatzmaßnahmen fanden in enger Zusammenarbeit mit tschechischen Spezialeinheiten, Eurojust, Europol sowie Ermittlern aus Deutschland und Lettland statt. Insgesamt wurden sieben Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Dabei vollstreckten die Einsatzkräfte drei Europäische Haftbefehle. Eine weitere Person wurde zunächst vorläufig festgenommen.
Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial sicher. Rund 150 Polizeibeamte und Ermittler waren an den zeitgleich durchgeführten Maßnahmen an vier Einsatzorten im Großraum Prag beteiligt.
349 Menschen sollen geschleust worden sein
Die umfangreichen Ermittlungen begannen bereits im Frühsommer 2024. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand soll die Bande zwischen Februar 2024 und Februar 2026 mindestens 32 professionelle Schleusungsfahrten organisiert haben. Dabei sollen insgesamt 349 Drittstaatsangehörige – darunter auch Kinder – nach Deutschland geschleust worden sein.
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden erfolgten die Schleusungen überwiegend in völlig überfüllten Kleintransportern und Pkw. Dadurch sollen die mutmaßlichen Täter das Leben und die Gesundheit der geschleusten Personen erheblich gefährdet haben.
Verbindung zu Call-Center-Betrug im Fokus
Bereits Anfang Mai 2026 nahmen Ermittler in Deutschland einen 27-jährigen ungarischen Staatsangehörigen fest. Er befindet sich seither in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, nicht nur Mitglied der Schleuserorganisation gewesen zu sein, sondern auch als Abholer bei sogenannten Schockanrufen agiert zu haben.
Der Beschuldigte soll sich gegenüber älteren Menschen als falscher Polizeibeamter ausgegeben und auf diese Weise hohe Vermögensschäden verursacht haben. Die Ermittler prüfen derzeit mögliche weitere Verbindungen zwischen der mutmaßlichen Schleuserorganisation und internationalen Call-Center-Betrugsnetzwerken.
Joint Investigation Team erleichterte grenzüberschreitende Ermittlungen
Bereits im Sommer 2025 wurde unter deutscher Federführung ein sogenanntes Joint Investigation Team (JIT) gegründet. Daran beteiligt sind Deutschland, Tschechien, Lettland, Eurojust und Europol. Seit August 2025 arbeiteten die beteiligten Behörden eng zusammen und führten verdeckte Ermittlungen sowohl in Deutschland als auch in Tschechien durch.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Traunstein ermöglichte insbesondere das “Traunsteiner Modell” die zentrale Bündelung aller bundesweiten und internationalen Erkenntnisse. Dadurch konnten die Ermittlungen gegen sämtliche im Ausland wohnhaften Beschuldigten koordiniert geführt werden.
Ermittlungen dauern an
Die drei aufgrund Europäischer Haftbefehle festgenommenen Beschuldigten sollen zeitnah nach Deutschland ausgeliefert werden. Gegen einen weiteren Verdächtigen, der zwischenzeitlich wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, laufen Ermittlungen der lettischen Strafverfolgungsbehörden. Er steht im Verdacht, die für die Schleusungen eingesetzten Fahrzeuge beschafft zu haben.
Die Ermittlungen zu weiteren möglichen Straftaten sowie zum Verbleib der mutmaßlich erzielten Schleusererlöse dauern an. Staatsanwaltschaft und Bundespolizei kündigten an, weiterhin konsequent gegen internationale Schleuserorganisationen und Täter aus dem Bereich des Call-Center-Betrugs vorzugehen.
Hintergrund: Das Traunsteiner Modell
Das sogenannte “Traunsteiner Modell” wurde 2018 bei der Staatsanwaltschaft Traunstein eingeführt und später auf weitere grenznahe bayerische Staatsanwaltschaften ausgeweitet. Ziel des Modells ist die enge Zusammenarbeit mit internationalen Polizei- und Justizbehörden sowie mit Europol und Eurojust, um grenzüberschreitende organisierte Kriminalität effektiver zu bekämpfen.
Weitere Informationen finden Sie auf Deutschland, Fahndungen und News.
Offizielle Informationen bieten außerdem die Bundespolizei, Eurojust sowie Europol.
Hinweis: Für alle Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
