Landeskrankenhaus in Andernach droht Rekordverlust
Kritik am Geschäftsführer, hohe Fluktuation und eine Sondersitzung des Aufsichtsrats
Mainz – Das Landeskrankenhaus RLP droht ein historisches Minus. Nach Angaben gegenüber dem SWR rechnet das Unternehmen für dieses Jahr mit rund 14 Millionen Euro Verlust. Damit stünde der bislang höchste Fehlbetrag in der Unternehmensgeschichte im Raum. Zugleich betont die Klinikleitung, dass sie weiterhin ohne Kündigungen planen möchte, während der Aufsichtsrat in dieser Woche in einer Sondersitzung über die Lage berät.
Sondersitzung: Wie das Landeskrankenhaus Andernach gegensteuert
Der Aufsichtsrat will die finanzielle Situation erneut bewerten und mögliche Maßnahmen diskutieren. Konkrete Schritte liegen noch nicht vor. Die Klinikleitung verweist indes auf bundesweite Rahmenbedingungen und nennt die nicht auskömmliche Krankenhausfinanzierung als wesentlichen Treiber. Damit bleibt die Frage offen, welche Hebel kurzfristig wirken können, während das Landeskrankenhaus (AöR) viele Standorte und zahlreiche Versorgungsbereiche aufrechterhalten muss.
Vorwürfe und Führungsfluktuation: Was Beschäftigte berichten
Mehrere Mitarbeiter schildern anonym, dass der Rekordverlust nur teilweise auf äußere Faktoren zurückgehe. Sie sehen den Abgang von rund 20 Führungskräften in zwei Jahren als Alarmsignal. Demnach verließen langgediente Leitungen – von der ärztlichen Direktion bis zur Pflegeführung – das Unternehmen. Die Geschäftsleitung spricht dagegen von natürlicher Fluktuation und äußert sich nicht zu Personalien. Gleichzeitig heißt es aus dem Haus, man halte die Fluktuation im Verhältnis zur Gesamtgröße für üblich.
Kritik an Geschäftsführer Alexander Wilhelm
Beschäftigte führen den Personalabgang vielfach auf Unzufriedenheit mit Geschäftsführer Alexander Wilhelm zurück. Laut SWR gingen konkrete Vorwürfe an den Aufsichtsrat. Wilhelm kündigte an, offene Punkte schnell zu klären. Das zuständige Ressort der Landesregierung prüft die anonym eingegangenen Hinweise; zusätzliche Details nennt man derzeit nicht.
Ernennung, Recht und Politik: Der strittige Sonderurlaub
Alexander Wilhelm wechselte 2021 aus einem Staatssekretärsamt in die Geschäftsführung des Landeskrankenhauses RLP. Grundlage war ein Sonderurlaub. Der Rechnungshof Rheinland-Pfalz kritisierte vergleichbare, sehr lange Beurlaubungen in seinem Jahresbericht 2022 deutlich. Die Landesregierung verweist dagegen auf eine abweichende Rechtsauffassung. Das fachlich zuständige Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz begleitet die Prüfung politisch-administrativ, ohne Einzelfälle öffentlich zu kommentieren.
Unternehmen im Überblick
Das Landeskrankenhaus RLP betreibt nach eigenen Angaben an etwa 30 Standorten Kliniken und Einrichtungen, insbesondere für psychische Gesundheit und Neurologie. In Summe arbeiten rund 5.400 Menschen für das Unternehmen. Wer sich für Struktur und Leitung interessiert, findet weitere Informationen zur Spitze des Hauses auf der Seite Geschäftsführung & Stabsstellen.
Warum die Debatte jetzt Dynamik gewinnt
Der Vertrag des Geschäftsführers läuft im Mai kommenden Jahres aus. Angesichts des drohenden Rekordverlusts, der anhaltenden Diskussionen über Führungswechsel und der laufenden Prüfungen stellt sich die Frage, wie das Landeskrankenhaus RLP seinen Kurs stabilisiert – finanziell, personell und strategisch. Entscheidend wird, ob Aufsichtsrat und Geschäftsführung ein gemeinsames Programm vereinbaren, das die Versorgung sichert, die Organisation beruhigt und die Ergebnisse verbessert.
Weiterführende Hinweise
- Offizielle Informationen des Trägers: Landeskrankenhaus (AöR) Rheinland-Pfalz
- Rechtliche Bewertung langer Beurlaubungen: Rechnungshof RLP – Jahresbericht 2022, Nr. 13
- Zuständiges Landesressort: Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit RLP
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