Koblenz. Fast 32 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der US-Amerikanerin Amy Lopez beginnt vor dem Landgericht Koblenz der Mordprozess gegen einen heute 81 Jahre alten Mann. Am 18. August 2026 soll sich der Angeklagte erstmals vor der 14. großen Strafkammer verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die damals 24-jährige Touristin am 26. September 1994 unterhalb der Festung Ehrenbreitstein ermordet zu haben.
Damit erreicht der Mordfall Amy Lopez einen entscheidenden Punkt. Mehr als drei Jahrzehnte suchten Ermittler nach dem Täter. Neue kriminaltechnische Möglichkeiten und die erneute Untersuchung alter Spuren brachten schließlich Bewegung in einen der bekanntesten Cold Cases aus Koblenz.
Prozess im Mordfall Amy Lopez beginnt am 18. August

Das Landgericht Koblenz hat die Anklage gegen den 81-Jährigen zugelassen. Der erste Verhandlungstag ist für Dienstag, den 18. August 2026, angesetzt. Die Hauptverhandlung soll um 9.30 Uhr beginnen.
Weitere Verhandlungstage sind bislang für den 20., 26. und 28. August sowie den 1., 3., 7. und 9. September vorgesehen. Damit plant das Gericht mehrere Termine für die umfangreiche Beweisaufnahme.
Die Staatsanwaltschaft Koblenz wirft dem Angeklagten Mord vor. Nach ihrer Darstellung soll er Amy Lopez heimtückisch, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs und aus niedrigen Beweggründen getötet haben. Ob sich diese Vorwürfe bestätigen, muss jetzt das Gericht klären. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Wer war Amy Lopez?
Amy Lopez war 24 Jahre alt und stammte aus den USA. Im September 1994 befand sich die junge Amerikanerin auf einer Europareise. Diese Reise führte sie schließlich auch nach Koblenz.
Am Morgen des 26. September 1994 wollte sie die Festung Ehrenbreitstein besichtigen. Sie fuhr mit einem Stadtbus auf die rechte Rheinseite und machte sich anschließend zu Fuß auf den Weg zur Festung.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass Amy Lopez nur kurze Zeit später einem schweren Gewaltverbrechen zum Opfer fallen würde.
Der 26. September 1994: Amy Lopez macht sich auf den Weg zur Festung
Am Morgen ging Amy Lopez über den Felsenweg in Richtung Festung Ehrenbreitstein. Ermittler rekonstruierten später ihre letzten bekannten Bewegungen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der heute 81-Jährige Amy Lopez dort zufällig getroffen haben. Die Anklage geht jedoch davon aus, dass der Mann bereits zuvor nach einem geeigneten Opfer gesucht hatte.
Nach dem Ergebnis der Ermittlungen soll er schon in den Tagen vor dem Verbrechen Vergewaltigungsfantasien gehabt haben. Außerdem soll er am Tattag mit seinem Fahrrad durch Koblenz gefahren sein. Dabei habe er nach Darstellung der Anklage ein Messer und Handschellen mitgeführt.
General-von-Aster-Zimmer wird zum Tatort
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht das sogenannte General-von-Aster-Zimmer. Dabei handelt es sich um einen abgelegenen Bereich unterhalb der oberen Festungsanlage.
Nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte Amy Lopez unter einem Vorwand dorthin gelockt haben. Anschließend soll er die junge Frau aus sexueller Motivation angegriffen haben.
Amy Lopez soll sich gegen den Angriff gewehrt haben. Daraufhin soll der Mann massive Gewalt angewendet haben.
Schwere Verletzungen am Körper der jungen Frau
Die damaligen Untersuchungen dokumentierten schwere Verletzungen. Amy Lopez wies unter anderem massive Kopfverletzungen und mehrere Messerstiche am Oberkörper auf. Zudem stellten die Ermittler Strangulationsmerkmale fest.
Nach den Ermittlungen soll der Täter außerdem sexuelle Handlungen an seinem Opfer vorgenommen haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die sexuelle Motivation eine entscheidende Rolle bei dem Verbrechen spielte.
Kinder finden die Leiche von Amy Lopez
Kurze Zeit später fanden spielende Kinder beziehungsweise Jugendliche Amy Lopez im Bereich des General-von-Aster-Zimmers. Für die Ermittler begann damit eine jahrelange Suche nach dem Täter.
Der Fall sorgte in Koblenz und weit darüber hinaus für großes Aufsehen. Dennoch fehlte den Ermittlern lange Zeit der entscheidende Beweis.
Mehr über die frühen Ermittlungen im Mordfall Amy Lopez gibt es in unserem ausführlichen Rückblick zum
Cold Case an der Festung Ehrenbreitstein.
Jahrzehntelange Ermittlungen bringen zunächst keinen Durchbruch
Polizei und Staatsanwaltschaft überprüften im Laufe der Jahre zahlreiche Spuren und Personen. Eine Sonderkommission beschäftigte sich intensiv mit dem Fall. Dennoch konnten die Ermittler lange keinen Tatverdächtigen eindeutig mit dem Mord verbinden.
Allerdings verschwanden die Beweismittel nicht in Vergessenheit. Genau das sollte Jahrzehnte später entscheidend werden.
Denn die Kriminaltechnik entwickelte sich seit 1994 enorm weiter. Spuren, die damals kaum oder gar nicht ausgewertet werden konnten, ließen sich mit modernen Verfahren erneut untersuchen.
Moderne DNA-Technik verändert den Fall
Ermittler nahmen die alten Asservate erneut unter die Lupe. Dabei unterstützten Spezialisten des Hessischen Landeskriminalamts die Koblenzer Ermittler.
Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden untersuchten die Experten rund 1.600 Proben. Diese stammten unter anderem aus der Kleidung von Amy Lopez sowie von Klebefolien aus der damaligen Spurensicherung.
Schließlich gelang es, männliche DNA zu sichern. Damit hatten die Ermittler plötzlich eine neue Möglichkeit, mögliche Verdächtige mit der Spur abzugleichen.
„Aktenzeichen XY“ greift den Cold Case erneut auf
Im September 2025 rückte der Fall erneut bundesweit in den Fokus. Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ beschäftigte sich mit dem Mord an Amy Lopez.
Die Ermittler hofften damals auf neue Hinweise. Gleichzeitig stand bereits fest, dass moderne Untersuchungen eine mutmaßlich täterrelevante DNA-Spur hervorgebracht hatten.
Unseren damaligen Bericht zur erneuten Fahndung findest Du hier:
Mordfall Amy Lopez bei „Aktenzeichen XY“.
Januar 2026: Speichelprobe bringt entscheidenden Treffer
Im Januar 2026 nahmen Ermittler dem später festgenommenen Mann freiwillig eine Speichelprobe ab. Der anschließende DNA-Abgleich brachte nach Angaben der Ermittlungsbehörden die entscheidende Übereinstimmung.
Der heute 81-Jährige war den Behörden nicht völlig unbekannt. Bereits 1999 hatte ihn das Landgericht Koblenz wegen einer Sexualstraftat verurteilt. Damals ließ sich jedoch kein belastbarer Zusammenhang mit dem Mord an Amy Lopez herstellen.
Erst die modernen Untersuchungsmöglichkeiten ermöglichten Jahrzehnte später einen neuen Abgleich.
Festnahme am 23. Februar 2026
Am 23. Februar 2026 nahmen Ermittler den damals 81-jährigen Deutschen im Raum Koblenz fest. Das Amtsgericht Koblenz hatte zuvor auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl erlassen.
Eine Ermittlungsrichterin ordnete anschließend Untersuchungshaft an. Seitdem befindet sich der Beschuldigte in einer Justizvollzugsanstalt in Rheinland-Pfalz.
Über die Festnahme berichteten wir bereits ausführlich:
81-Jähriger nach mehr als 30 Jahren im Mordfall Amy Lopez festgenommen.
Ermittler werten rund 1.600 Proben aus
Nach der Festnahme veröffentlichten Polizei und Staatsanwaltschaft weitere Einzelheiten zur jahrelangen Ermittlungsarbeit. Besonders die erneute kriminaltechnische Untersuchung spielte dabei eine zentrale Rolle.
Die Ermittler arbeiteten sich durch eine enorme Menge alter Spuren. Außerdem überprüften sie erneut mehr als 200 frühere Spurenakten. Schließlich führte die Kombination aus alter Ermittlungsarbeit und moderner DNA-Analyse zu dem heutigen Angeklagten.
Weitere Hintergründe zum DNA-Durchbruch haben wir hier zusammengefasst:
Die Ermittlungen und der DNA-Treffer im Fall Amy Lopez.
Auch die Entwicklung nach der neuen DNA-Auswertung haben wir in einem weiteren Bericht dokumentiert:
Neue DNA-Spur führt nach Jahrzehnten zu einer Festnahme.
Staatsanwaltschaft erhebt Mordanklage
Am 8. Mai 2026 gab die Staatsanwaltschaft Koblenz bekannt, dass sie Anklage zum Landgericht Koblenz erhoben hat. Nach Angaben der Behörde hatte sich der dringende Tatverdacht während der weiteren Ermittlungen erhärtet.
Die Anklage wirft dem 81-Jährigen vor, Amy Lopez heimtückisch, aus niedrigen Beweggründen und zur Befriedigung des Geschlechtstriebs getötet zu haben.
Die offizielle Entwicklung nach Abschluss der Ermittlungen haben wir bereits in unserem Bericht zur
Anklage im Mordfall Amy Lopez und weiteren Koblenzer Meldungen
aufgegriffen.
Landgericht Koblenz lässt Anklage zu
Die 14. große Strafkammer des Landgerichts Koblenz ließ die Anklage schließlich zur Hauptverhandlung zu. Damit war der Weg für den Mordprozess frei.
Nun müssen die Richter klären, ob sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vor Gericht beweisen lassen. Dabei dürfte vor allem die DNA-Spur eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig muss das Gericht die gesamte Beweislage bewerten.
Offizielle Informationen zum Verfahren veröffentlicht die
Justiz Rheinland-Pfalz beim Landgericht Koblenz.
Informationen aus dem Ermittlungsverfahren stellt außerdem die
Staatsanwaltschaft Koblenz
bereit.
Was droht dem 81-Jährigen bei einer Verurteilung?
Die Staatsanwaltschaft hat Mord angeklagt. Sollte das Gericht den Angeklagten wegen Mordes verurteilen, sieht das deutsche Strafrecht grundsätzlich eine lebenslange Freiheitsstrafe vor.
Im Verfahren könnte außerdem die Frage einer Sicherungsverwahrung eine Rolle spielen. Dabei müssen die Richter unter anderem eine mögliche fortdauernde Gefährlichkeit bewerten. Alter und Gesundheitszustand des Angeklagten können ebenfalls Bedeutung erhalten.
Mehr zum Thema lebenslange Freiheitsstrafe findest Du in unserem Hintergrundbericht:
Aktuelle Berichte aus Koblenz und dem Kreis Mayen-Koblenz.
32 Jahre nach dem Tod von Amy Lopez beginnt die juristische Aufarbeitung
Der Prozessauftakt am 18. August 2026 markiert einen außergewöhnlichen Moment. Fast 32 Jahre liegen dann zwischen dem Tod von Amy Lopez und dem Beginn der Hauptverhandlung gegen den heute 81-jährigen Angeklagten.
Der Fall zeigt zugleich, welche Bedeutung alte Asservate für ungelöste Kapitalverbrechen haben können. Moderne DNA-Technik kann Spuren sichtbar und auswertbar machen, die Ermittler Jahrzehnte zuvor technisch noch nicht entsprechend untersuchen konnten.
Für Polizei und Justiz beginnt mit dem Prozess jedoch eine neue Phase. Jetzt zählt nicht mehr allein der dringende Tatverdacht. Das Landgericht muss die Beweise prüfen, Zeugen und Sachverständige hören und anschließend entscheiden, ob sich der Mordvorwurf zweifelsfrei beweisen lässt.
Damit könnte einer der bekanntesten Cold Cases aus Koblenz nach fast 32 Jahren seine gerichtliche Aufarbeitung finden.
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