Ermittler prüfen extremistisches Motiv – Terrorsnschlag
Schongau. Nach dem schweren Angriff am Welfen-Gymnasium in Schongau gibt es eine neue Entwicklung. Die Ermittlungsbehörden sehen Hinweise auf ein mögliches extremistisches Motiv des 16 Jahre alten Tatverdächtigen. Deshalb hat inzwischen die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus die Ermittlungen übernommen. Ob die Tat tatsächlich als Terroranschlag eingestuft wird, steht derzeit jedoch noch nicht fest.
Der Jugendliche soll am Mittwoch, 8. Juli 2026, zwei 13-jährige Mädchen auf dem Gelände des Gymnasiums mit einem Messer schwer verletzt haben. Mitschüler kümmerten sich sofort um die Opfer und leisteten Erste Hilfe. Nach Einschätzung der Ermittler rettete dieses schnelle Eingreifen vermutlich einem der Mädchen das Leben.
Zentralstelle für Extremismus und Terrorismus übernimmt Ermittlungen
Die Generalstaatsanwaltschaft München teilte mit, dass die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus, kurz ZET, das Verfahren übernommen hat. Der 16-Jährige steht unter anderem im Verdacht, in zwei Fällen versucht zu haben, Menschen zu töten.
Die Übernahme durch die Spezialisten bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Behörden bereits von einem Terroranschlag ausgehen. Vielmehr sollen nun mögliche extremistische Hintergründe, Äußerungen und digitale Spuren des Jugendlichen umfassend untersucht werden.
Wegen der laufenden Ermittlungen veröffentlicht die Generalstaatsanwaltschaft derzeit keine weiteren Einzelheiten. Daher bleiben sowohl das genaue Motiv als auch die Frage nach einer möglichen politischen, religiösen oder menschenfeindlichen Ideologie zunächst offen.
Ermittler prüfen mögliches Schreiben des Tatverdächtigen
Eine wichtige Rolle spielt offenbar ein Schreiben, das von dem 16-Jährigen stammen könnte. Darin sollen mehrere Religionsgemeinschaften und Bevölkerungsgruppen beschimpft worden sein. Außerdem enthält der Text nach Medienberichten Beleidigungen gegen Mitschüler, Lehrkräfte und weitere Personen aus dem Umfeld des Verfassers.
Mehrere persönliche Angaben in dem Dokument könnten dafür sprechen, dass der Tatverdächtige den Text selbst verfasst hat. Dazu gehören unter anderem Hinweise auf sein Alter sowie auf Konflikte innerhalb der Schule. Dennoch müssen die Ermittler zunächst zweifelsfrei klären, ob das Schreiben echt ist und tatsächlich von dem Jugendlichen stammt.
Sollte der Angriff im Internet übertragen werden?
Darüber hinaus prüfen die Behörden Hinweise auf einen möglicherweise geplanten Livestream. Demnach könnte der 16-Jährige beabsichtigt haben, seine Tat über das Internet zu übertragen. Ob eine Übertragung tatsächlich gestartet wurde oder ob es lediglich entsprechende Vorbereitungen gab, ist noch nicht öffentlich bekannt.
Die Auswertung von Mobiltelefonen, Computern, Benutzerkonten und möglichen Chatverläufen dürfte deshalb ein wichtiger Teil der weiteren Ermittlungen sein. Außerdem untersuchen die Beamten, ob andere Personen von den Plänen wussten oder den Jugendlichen unterstützt haben könnten.
Jugendlicher soll Messer und Pistole dabeigehabt haben
Nach den bisherigen Erkenntnissen näherte sich der Jugendliche dem Schulgelände mit einer Pistole. Er soll einen Schuss abgegeben haben, ohne dabei jemanden zu treffen. Anschließend versagte die Waffe offenbar, sodass keine weiteren Schüsse fielen.
Danach soll der Tatverdächtige ein Messer gezogen und die beiden Schülerinnen angegriffen haben. Lehrkräfte und Polizeibeamte stoppten den Jugendlichen schließlich. Die Polizei nahm ihn noch auf dem Schulgelände fest.
Später fanden die Einsatzkräfte neben dem Messer auch eine Pistole und Munition. Die Schusswaffe lag offenbar bei einem Rucksack, den der Jugendliche im Bereich des Tatorts abgelegt hatte. Der 16-Jährige soll selbst auf den Rucksack hingewiesen haben. Gegenüber den Ermittlern gab er laut Medienberichten an, die Waffe im Darknet beschafft zu haben. Auch diese Aussage wird weiterhin überprüft.
Tatverdächtiger war bereits zuvor aufgefallen
Der frühere Schüler des Welfen-Gymnasiums war den Sicherheitsbehörden schon vor der Tat bekannt. Bereits im Jahr 2025 liefen Ermittlungen wegen zweier Vorfälle gegen ihn. Dabei soll er Mitschüler bedroht und Amokläufe in sozialen Netzwerken verherrlicht haben.
Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft lagen damals jedoch keine ausreichenden Gründe für eine Untersuchungshaft vor. Der Jugendliche soll außerdem zeitweise psychiatrisch behandelt worden sein. Welche Bedeutung seine psychische Verfassung für die aktuelle Tat hatte, müssen Sachverständige und Ermittler klären.
Zwei 13-jährige Mädchen schwer verletzt
Die beiden angegriffenen Mädchen erlitten schwere Stichverletzungen und kamen in Krankenhäuser. Zwischenzeitlich bestand nach Angaben der Behörden Lebensgefahr. Später teilte die Polizei mit, dass sich die Schülerinnen nicht mehr in akuter Lebensgefahr befanden.
Weitere Menschen wurden nach dem bisherigen Stand nicht körperlich verletzt. Allerdings erlitten mehrere Schülerinnen und Schüler einen Schock und mussten betreut werden. Der Angriff löste einen großen Polizeieinsatz aus. Neben zahlreichen Streifen waren auch schwer bewaffnete Einsatzkräfte und ein Polizeihubschrauber beteiligt.
Kein bestätigter Terroranschlag
Obwohl die Anti-Terror-Zentralstelle nun ermittelt, darf die Tat derzeit nicht abschließend als Terroranschlag bezeichnet werden. Bislang sprechen die Behörden lediglich von Hinweisen auf ein extremistisches Motiv. Erst die weiteren Untersuchungen werden zeigen, was den 16-Jährigen zu dem Angriff bewegt hat.
Für den Tatverdächtigen gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Er befindet sich wegen des dringenden Verdachts des versuchten Mordes in zwei Fällen in Untersuchungshaft.
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