Schüsse bei Rave in Aarau: Maria Spinelli (22) stirbt – Täter weiter auf der Flucht
Aarau (Schweiz). Die Schüsse bei Rave in Aarau haben eine ausgelassene Technoparty in eine tödliche Tragödie verwandelt. Dabei wurde die 22-jährige Maria Spinelli getötet. Außerdem erlitten fünf weitere Besucherinnen und Besucher leichte bis schwere Verletzungen. Obwohl die Polizei unmittelbar nach den ersten Notrufen einen Großeinsatz auslöste, konnten der Täter oder die Täter zunächst entkommen. Deshalb läuft die Fahndung weiterhin auf Hochtouren.
Die Tat ereignete sich auf dem Gelände der Pferderennbahn im Aarauer Schachen. Dort hatte am Samstag die siebte Ausgabe des „Aarauer Rave“ stattgefunden. Als gegen 2.30 Uhr plötzlich zahlreiche Schüsse fielen, war die Musik bereits beendet. Viele Gäste bewegten sich zu diesem Zeitpunkt in Richtung Ausgang. Innerhalb weniger Augenblicke verwandelte sich die friedliche Veranstaltung jedoch in einen Tatort.
Maria Spinelli stirbt noch am Veranstaltungsort
Bei dem Todesopfer handelt es sich um Maria Spinelli. Die 22-Jährige war italienische Staatsbürgerin, wohnte und arbeitete allerdings in der Schweiz. Nach Angaben italienischer Medien stammte sie ursprünglich aus Atri in der Region Abruzzen. Rettungskräfte versuchten vor Ort, der jungen Frau zu helfen. Dennoch erlag sie noch auf dem Veranstaltungsgelände ihren schweren Schussverletzungen.
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte den Namen der Getöteten später öffentlich und sprach ihrer Familie ihr tiefes Mitgefühl aus. Gleichzeitig teilte die italienische Regierung mit, dass auch italienische Staatsangehörige unter den Verletzten seien. Eine aus Italien entsandte Arbeitsgruppe unterstützt deshalb die betroffenen Familien und verfolgt die Ermittlungen gemeinsam mit den Schweizer Behörden. Auch der Schweizer Außenminister Ignazio Cassis sagte Italien Zusammenarbeit zu.
Neben Maria Spinelli wurden eine Frau und vier Männer verletzt. Nach dem jüngsten von Schweizer Medien wiedergegebenen Ermittlungsstand sind sie zwischen 24 und 31 Jahre alt. Ihre Verletzungen reichen von leicht bis schwer. Allerdings schwebte laut Polizei zuletzt niemand mehr in Lebensgefahr. Alle Betroffenen lebten in der Schweiz und besuchten offenbar die Veranstaltung.
Schüsse bei Rave in Aarau werden zunächst für Feuerwerk gehalten
Mehrere Augenzeugen berichteten, dass sie die ersten Knallgeräusche zunächst für Feuerwerk oder Böller hielten. Erst als andere Gäste zuriefen, dass geschossen werde, erkannten viele Menschen die Gefahr. Daraufhin suchten Besucher hinter Bars, Einrichtungsgegenständen und im Bereich des DJ-Pults Schutz. Andere warfen sich auf den Boden oder versuchten, das Gelände zu verlassen.
Ein Zeuge schilderte gegenüber einem Schweizer Regionalsender, die Schüsse hätten sich über mehrere Minuten hingezogen. Währenddessen sei auf dem Gelände Panik ausgebrochen. Helfer kümmerten sich anschließend um Verletzte und alarmierten die Rettungskräfte. Weil zum Tatzeitpunkt noch mehr als 100 Menschen auf dem Areal gewesen sein sollen, mussten die Einsatzkräfte eine große Zahl möglicher Zeuginnen und Zeugen erfassen und befragen.
Die Polizei brachte zahlreiche Veranstaltungsgäste vorübergehend in einer Turnhalle unter. Dort nahmen Ermittler Personalien auf und sammelten erste Aussagen. Zudem richteten die Behörden eine Informationsstelle für Angehörige und Augenzeugen ein. Die Auswertung der vielen Aussagen, Fotos und Videos dürfte deshalb eine zentrale Rolle bei der Rekonstruktion des Ablaufs spielen.
Munition von mindestens zwei unterschiedlichen Waffen gefunden
Am Tatort fanden die Ermittler Patronenhülsen aus mindestens zwei unterschiedlichen Waffentypen. Einerseits entdeckten sie 9-Millimeter-Munition, wie sie unter anderem bei Pistolen oder Maschinenpistolen verwendet wird. Andererseits stellten sie Hülsen eines Kalibers sicher, das bei Langwaffen beziehungsweise Sturmgewehren vorkommt.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass tatsächlich zwei Menschen geschossen haben. Denn eine einzelne Person könnte ebenfalls mehrere Waffen benutzt haben. Gleichzeitig schließen die Ermittler mehrere Schützen bislang nicht aus. Ebenso ist noch offen, von welchen Positionen aus gefeuert wurde und wie sich der oder die Verantwortlichen dem Gelände näherten beziehungsweise anschließend entfernten.
Nach Angaben der Polizei fielen Schüsse an zwei verschiedenen Stellen des Schachen-Geländes. Die Opfer sollen nach bisherigem Stand in keiner erkennbaren Verbindung zueinander stehen. Deshalb gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass es sich um Zufallsopfer handeln könnte. Diese Einschätzung ist allerdings vorläufig und kann sich durch neue Spuren oder Zeugenaussagen noch verändern.
Ermittlungen nach Schüssen bei Rave in Aarau
Das Motiv für die Schüsse bei Rave in Aarau ist weiterhin unbekannt. Die Kantonspolizei Aargau prüft momentan drei Szenarien. Demnach könnte es sich um einen terroristischen Angriff, eine wahllose Amoktat oder eine Abrechnung im kriminellen Umfeld gehandelt haben. Keines dieser Szenarien werde bislang als wahrscheinlicher als die anderen eingestuft.
Damit bleibt auch die Frage offen, ob die Veranstaltung gezielt ausgewählt wurde oder lediglich zum Schauplatz der Tat wurde. Ebenso liegen bislang keine bestätigten Angaben zu möglichen Tatverdächtigen, einem Fluchtfahrzeug oder einem konkreten persönlichen Hintergrund vor. Spekulationen über die Identität beziehungsweise Herkunft der gesuchten Personen wären daher verfrüht.
Auch andere schwere Schusswaffendelikte beschäftigen die Sicherheitsbehörden immer wieder. So berichteten wir zuletzt über Schüsse auf ein Café in Köln. Außerdem fahndet die Polizei nach Schüssen auf ein Mehrfamilienhaus in Köln-Vingst. Beide Beiträge zeigen, wie wichtig Spuren, Videoaufnahmen und Zeugenaussagen für die Suche nach flüchtigen Tätern sind.
Großfahndung reicht über die Schweiz hinaus
Unmittelbar nach den Notrufen zog die Kantonspolizei Aargau praktisch alle verfügbaren Kräfte zusammen. Darüber hinaus unterstützten Polizeieinheiten aus anderen Kantonen, Spezialkräfte und ein Helikopter die Suche. Das Gebiet um den Aarauer Schachen wurde großräumig abgesperrt, während bewaffnete Einsatzkräfte Straßen und Fahrzeuge kontrollierten.
Weil Aarau vergleichsweise nah an der deutschen Grenze liegt, beteiligte sich auch die deutsche Polizei an den allgemeinen Fahndungsmaßnahmen. Dabei handelt es sich nach Angaben des Polizeipräsidiums Freiburg um die übliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei einer solchen Lage. Bislang gibt es jedoch keine bestätigte Information, dass die gesuchte Täterschaft tatsächlich nach Deutschland geflohen ist.
Wie aufwendig große Ermittlungsverfahren sein können, zeigen außerdem das Tötungsdelikt in Bad Neuenahr-Ahrweiler und ein tödlicher Vorfall in Bremen-Neustadt. Über weitere internationale Kriminalfälle berichten wir zudem in unserem Beitrag über eine Mutter, die ihren elf Monate alten Sohn erschoss.
Polizei bittet um Fotos und Videos
Für die Ermittler sind nun vor allem Aufnahmen der Besucher wichtig. Fotos und Videos könnten zeigen, wer sich kurz vor beziehungsweise nach den Schüssen an bestimmten Stellen des Geländes aufhielt. Darüber hinaus können selbst scheinbar nebensächliche Beobachtungen helfen, Bewegungsabläufe und mögliche Fluchtrouten zu rekonstruieren.
Die Kantonspolizei Aargau bittet deshalb Zeuginnen und Zeugen, entsprechendes Material zur Verfügung zu stellen. Einen fortlaufend aktualisierten Überblick zum Ermittlungsstand veröffentlicht unter anderem das Schweizer Radio und Fernsehen. Weitere bestätigte Einzelheiten zu Waffenfunden und Fahndung fasst ZDFheute zusammen. Informationen zur italienischen Reaktion und zur Herkunft der Getöteten veröffentlichte außerdem die italienische Nachrichtenagentur ANSA.
Reaktionen auf die Schüsse bei Rave in Aarau
Die Organisatoren des Raves erklärten, sie seien von der Tat schockiert und zutiefst traurig. Zuvor hatten Tausende Menschen auf dem Gelände gefeiert. Der Gewaltausbruch traf die Veranstaltung somit zu einem Zeitpunkt, als viele Gäste bereits auf dem Heimweg waren.
Auch ein bei der Veranstaltung aufgetretener DJ äußerte öffentlich seine Trauer. Er erklärte, eine wichtige Freundin verloren zu haben, und erinnerte daran, dass Technoveranstaltungen Orte der Freiheit und Sicherheit sein sollten. Während Freunde und Angehörige um Maria Spinelli trauern, arbeiten die Ermittler weiter daran, den oder die Verantwortlichen zu identifizieren.
Entscheidend sind nun die kriminaltechnische Untersuchung der Munition, die Auswertung von Mobiltelefonaufnahmen und die Befragung weiterer Zeugen. Erst wenn diese Spuren zusammengeführt sind, dürfte sich zeigen, aus welchem Motiv geschossen wurde und ob eine oder mehrere Personen beteiligt waren. Bis dahin gilt: Viele zentrale Fragen zu den Schüssen bei Rave in Aarau bleiben offen.
Hinweis: Der Beitrag gibt den am 31. August 2026 bekannten Ermittlungsstand wieder. Da die Fahndung und die Spurenauswertung andauern, können sich Angaben noch ändern.
Erstellt mit Unterstützung von KI.
