Verband warnt vor Anstieg auf bis zu 2,50 Euro pro Liter
Der Krieg im Iran sorgt weltweit für starke Schwankungen auf dem Ölmarkt. In Deutschland könnten Autofahrer die Auswirkungen deutlich an der Zapfsäule spüren. Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) warnt vor einem weiteren deutlichen Anstieg der Spritpreise.
Verband befürchtet drastische Preissteigerungen
Laut TIV-Sprecher Herbert Rabl könnten die Mineralölkonzerne steigende Kosten schnell an die Verbraucher weitergeben. Nach Einschätzung des Verbandes testen die Konzerne derzeit aus, welche Preise der deutsche Markt akzeptiert.
Rabl hält sogar deutlich höhere Preise für möglich. „Auch 2,50 Euro und sogar mehr pro Liter sind am Ende denkbar“, erklärte er gegenüber der Rheinischen Post. Bereits jetzt liegen die Preise vielerorts um die Marke von zwei Euro pro Liter Benzin.
Diesel kostet derzeit je nach Region zwischen etwa 1,89 Euro und 2,15 Euro pro Liter. Damit zählen die Spritpreise Deutschland aktuell zu den höchsten in Europa.
Tankstellenpächter profitieren kaum
Nach Angaben des Verbandes leiden nicht nur Autofahrer unter den steigenden Kosten. Auch viele Tankstellenpächter geraten zunehmend unter Druck.
Sie erhalten laut TIV lediglich ein bis zwei Cent Provision pro verkauftem Liter Kraftstoff. Gleichzeitig müssen sie häufig den Ärger der Kunden über die hohen Preise abfangen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Hohe Spritpreise wirken sich negativ auf das Geschäft in den Tankstellenshops aus. Rund 60 Prozent der Einnahmen vieler Tankstellen stammen aus diesem Bereich. Sinkt die Kauflaune der Kunden, geraten die Betreiber wirtschaftlich zusätzlich unter Druck.
Vorwurf: Preise steigen stärker als nötig
Der Tankstellen-Interessenverband kritisiert zudem das Verhalten der Mineralölkonzerne. Zwar müssten die Unternehmen aufgrund der angespannten Lage auf dem Ölmarkt tatsächlich höhere Einkaufspreise bezahlen.
Nach Einschätzung des Verbandes schlagen sie jedoch zusätzlich noch mehrere Prozent auf die gestiegenen Kosten auf. Laut TIV könnten die Konzerne die Situation damit stärker ausnutzen als notwendig.
Besonders auffällig: In der vergangenen Woche seien die Spritpreise Deutschland stärker gestiegen als in vielen anderen europäischen Ländern.
Politik prüft mögliche Marktmanipulation
Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung bereits. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte eine Prüfung durch das Bundeskartellamt an. Dabei soll untersucht werden, ob Unternehmen die geopolitische Lage ausnutzen, um Preise übermäßig anzuheben.
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Vorbild Österreich: Preisänderung nur einmal täglich
Der Tankstellen-Interessenverband fordert eine staatliche Regelung nach österreichischem Vorbild. Dort dürfen Mineralölkonzerne den Preis nur einmal täglich erhöhen. Danach sind nur noch Preissenkungen erlaubt.
Nach Angaben des Verbandes liegt der durchschnittliche Benzinpreis in Österreich derzeit bei etwa 1,70 Euro pro Liter und damit deutlich unter dem Niveau der Spritpreise Deutschland.
Ob eine ähnliche Regelung auch in Deutschland eingeführt wird, ist derzeit noch offen.
Weitere Informationen zu aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen stellt auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bereit.
