Wolfsrudel jagt Schafherde kilometerweit: 20 Tiere tot, sieben verletzt
Stinstedt (Niedersachsen) – Ein Wolfsangriff in Niedersachsen sorgt derzeit für große Aufmerksamkeit. Im Landkreis Cuxhaven hat ein Wolfsrudel eine Herde von rund 100 Schafen von ihrer Weide in Stinstedt gejagt und kilometerweit vor sich hergetrieben. Dabei starben 20 Tiere, sieben weitere wurden verletzt. Das teilte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bereits am Mittwochabend mit.
Kadaver und verletzte Tiere lagen über ein großes Areal verteilt
Nach Angaben der Landwirtschaftskammer lagen die Kadaver sowie die verletzten Schafe über ein großes Areal verteilt. Wie viele Wölfe an dem Angriff beteiligt waren, blieb zunächst unklar. Nach dem Ergebnis der Rissbegutachtung steht jedoch fest, dass Wölfe die Schafe angegriffen hatten.
Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, erklärte gegenüber BILD: „20 getötete und sieben verletzte Schafe bei einem Wolfsübergriff sind ziemlich viel. Der Durchschnitt bei Wolfsübergriffen auf Schafe liegt bei drei bis sechs getöteten oder verletzten Schafen pro Fall.“
Weiter sagte Ehrecke, in vielen Fällen würden ein bis zwei Schafe sterben, jedoch komme es einige Male pro Jahr zu deutlich größeren Ereignissen.
Schafe flüchteten über fünf Kilometer – Angriff trotz Grundschutz
Die betroffene Herde war laut Landwirtschaftskammer mit einem wolfsabweisenden Grundschutz gesichert. Dadurch könne der Tierhalter aller Voraussicht nach einen Antrag auf eine freiwillige Entschädigungszahlung des Landes stellen.
Klar ist: Die Tiere wurden über mehrere Kilometer hinweg gejagt. Die toten und verletzten Schafe mussten in einem größeren Bereich eingesammelt werden. Ehrecke sagte dazu: „Beim aktuellen Wolfsübergriff ist die Schafherde von einer Weide auf dem Gebiet der Gemeinde Stinstedt ausgebrochen und in Richtung des benachbarten Dorfes Mittelstenahe geflüchtet bzw. gejagt worden.“
Die beiden Ortschaften liegen knapp fünf Kilometer voneinander entfernt. Die meisten toten und verletzten Tiere wurden in einem Areal zwischen Stinstedt und Mittelstenahe gefunden.
Laut NDR auch hochträchtige Muttertiere unter den getöteten Schafen
Unter den getöteten Tieren sollen laut NDR auch hochträchtige Muttertiere gewesen sein. Ein Wolfsriss in diesem Ausmaß habe es in der Region seit langer Zeit nicht gegeben. Nach dem Vorfall ist die Diskussion um den Abschuss des Wolfes in Niedersachsen erneut entbrannt.
Auch im Südwesten: Hornisgrinde-Wolf darf bis 10. März geschossen werden
Während der Wolfsangriff in Niedersachsen die Debatte im Norden befeuert, sorgt im Nordschwarzwald (Baden-Württemberg) ein weiterer Fall für Diskussionen. Dort beschäftigt der sogenannte „Hornisgrinde-Wolf“ die Bevölkerung. Das Tier wurde seit 2024 mehr als 180-mal gesichtet und soll sich gegenüber Menschen äußerst zutraulich verhalten.
Am Montag entschied der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim, dass dieser Wolf bis zum 10. März geschossen werden darf. Die Entscheidung hatte sich in den vergangenen Wochen verzögert. Eine Tierschutz-Initiative hatte sich für das Tier eingesetzt. Der VGH und auch das Landesumweltministerium stuften dies jedoch als nicht zumutbar ein. Der Wolf soll nun zum Schutz der Bevölkerung „entnommen“ werden.
Wolf bleibt streng geschützt – Abschüsse nur mit Ausnahmegenehmigung
Auch in Niedersachsen gilt der Wolf als streng geschützte Art. Abschüsse dürfen nur über streng regulierte Ausnahmegenehmigungen erfolgen. Der aktuelle Vorfall im Landkreis Cuxhaven zeigt jedoch erneut, wie stark Wolfsübergriffe die Diskussion um den Umgang mit dem Raubtier in Deutschland beeinflussen.
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Offizielle Informationen zu Wolfsmanagement und rechtlichen Grundlagen veröffentlichen unter anderem die zuständigen Behörden, etwa das NLWKN Niedersachsen sowie das Bundesumweltministerium.
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