Korruptionsprozess gegen Staatsanwalt: Überraschende Wende vor dem Landgericht Hannover
Im aufsehenerregenden Korruptionsprozess gegen Staatsanwalt Yashar G. (40) hat sich am Landgericht Hannover eine dramatische Wendung ergeben. Am inzwischen 29. Verhandlungstag legte der suspendierte Jurist überraschend ein umfassendes Geständnis ab. Damit räumte er zentrale Vorwürfe ein, nachdem er diese über Monate vehement bestritten hatte.
Geheimnisverrat und Bestechlichkeit eingeräumt
Nach einem Verständigungsgespräch zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht ließ Yashar G. über seinen Anwalt Alexander Kienzle insgesamt neun von 14 Tatvorwürfen einräumen. Dazu zählen insbesondere Bestechlichkeit und Geheimnisverrat. Fünf weitere Anklagepunkte ließ das Gericht im Rahmen der Absprache fallen.
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, ein Kokain-Syndikat mit internen Ermittlungsinformationen versorgt zu haben, obwohl er selbst gegen diese Gruppierung ermittelte. Unter anderem soll er die mutmaßlichen Täter vor geplanten Razzien gewarnt haben. Der Korruptionsprozess gegen den Staatsanwalt gilt bereits jetzt als einer der brisantesten Justizskandale der vergangenen Jahre.
Streit um Höhe der Schmiergelder
In einem zentralen Punkt widerspricht Yashar G. jedoch weiterhin der Anklage. Statt der behaupteten 5.000 Euro pro Tipp will er lediglich 2.500 Euro vom mutmaßlichen Kopf des Rauschgiftrings erhalten haben. Insgesamt soll sich die Summe der Zahlungen auf etwas mehr als 30.000 Euro innerhalb eines Jahres belaufen.
Strafmildernd wertet die Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte später maßgeblich zur Zerschlagung großer Teile des Drogenrings beigetragen habe. Diese Kooperation floss bereits in die vorläufige Strafzumessung ein.
Haftstrafe zwischen acht Jahren und zwei Monaten
Die zuständige Kammer gab ihre Strafvorstellungen offen bekannt. Demnach soll Yashar G. nach einem vollständigen Geständnis zu einer Freiheitsstrafe zwischen acht Jahren und zwei Monaten sowie acht Jahren und neun Monaten verurteilt werden. Damit wäre seine berufliche Laufbahn im Justizdienst endgültig beendet.
Der Korruptionsprozess gegen Staatsanwalt hatte bereits im Oktober 2024 bundesweit für Aufsehen gesorgt, als Ermittler den Juristen überraschend festnahmen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Seit April verhandelt das Landgericht Hannover in einem umfangreichen Indizienprozess.
Neue Beweise führten zum Sinneswandel
Nach Informationen aus Verfahrenskreisen soll neu aufgetauchtes, belastendes Beweismaterial maßgeblich zum plötzlichen Geständnis beigetragen haben. Die Urteilsverkündung wird in den kommenden Wochen erwartet.
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