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Vergewaltigungsprozess in Berlin

21. August 2026 3 Minuten gelesen
Prozess

Angeklagter gesteht Taten an betäubten Frauen

Berlin. Vor dem Landgericht Berlin läuft ein aufsehenerregender Prozess gegen einen 68-jährigen Mann. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Frauen heimlich betäubt und anschließend vergewaltigt zu haben. Der Angeklagte hat die Vergewaltigungen zum Prozessauftakt grundsätzlich eingeräumt. Die Ermittler gehen inzwischen von einer erheblich größeren Zahl möglicher Betroffener aus.

Vergewaltigungsprozess in Berlin: 22 Fälle sind angeklagt

Im aktuellen Vergewaltigungsprozess in Berlin geht es um insgesamt 22 angeklagte Taten an 14 Frauen. Sie sollen sich zwischen 2016 und 2022 ereignet haben. Der Mann soll seine späteren Opfer unter anderem über Online-Dating-Plattformen kennengelernt haben.

Nach Darstellung der Anklage trafen sich die Frauen freiwillig mit dem heute 68-Jährigen. In seiner Wohnung soll er ihnen alkoholische Getränke angeboten haben. Diesen habe er unbemerkt sedierende Substanzen beigemischt.

Die Frauen sollen dadurch in einen nahezu oder vollständig bewusstlosen Zustand geraten sein. Laut Anklage nutzte der Mann diesen Zustand für sexuelle Übergriffe aus. Ein Teil der mutmaßlichen Taten wurde zudem auf Foto oder Video festgehalten.

Angeklagter räumt Vergewaltigungen ein

Zum Auftakt des Prozesses ließ der 68-Jährige über seinen Verteidiger erklären, dass er die Vergewaltigungsvorwürfe einräume. Zu weiteren Einzelheiten wollte er sich zunächst nicht umfassend äußern.

Die Ermittler stellten bei ihren Untersuchungen zahlreiche Datenträger sicher. Nach Medienberichten fanden sie außerdem umfangreiches Material, das mögliche Taten dokumentieren könnte. Die Auswertung spielt deshalb eine zentrale Rolle in dem Verfahren.

Ermittler gehen von bis zu 58 Betroffenen aus

Der Vergewaltigungsprozess in Berlin umfasst bislang nur einen Teil der untersuchten Fälle. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden gibt es Hinweise auf insgesamt 58 mögliche Betroffene. Zehn Frauen konnten demnach zunächst nicht identifiziert werden. Bei zahlreichen weiteren Fällen laufen die Ermittlungen noch.

Besonders erschütternd ist ein weiterer Aspekt: Einige Frauen sollen erst durch die Polizei erfahren haben, dass sie möglicherweise Opfer einer Straftat geworden waren. Videoaufnahmen spielten bei der Identifizierung und Rekonstruktion der mutmaßlichen Taten eine wichtige Rolle.

Hinweis aus Niedersachsen brachte Ermittlungen ins Rollen

Auf die Spur des Berliners kamen die Ermittler durch ein anderes Verfahren. Polizeibeamte in Niedersachsen untersuchten ähnliche Vorwürfe gegen einen inzwischen verstorbenen Mann. Zwischen ihm und dem Berliner soll es Kontakte gegeben haben.

Bereits im März 2025 durchsuchten Ermittler die Wohnung des 68-Jährigen. Bei der späteren forensischen Untersuchung sichergestellter Datenträger stießen Fachleute nach Angaben der Behörden auf umfangreiches Videomaterial. Im März 2026 nahmen die Ermittler den Mann schließlich fest. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft.

Staatsanwaltschaft strebt Sicherungsverwahrung an

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem besonders schwere Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung vor. Hinzu kommen Vorwürfe im Zusammenhang mit den angefertigten Bild- und Videoaufnahmen.

Neben einer möglichen Freiheitsstrafe strebt die Staatsanwaltschaft auch eine anschließende Sicherungsverwahrung an. Darüber entscheidet das Gericht jedoch erst nach Abschluss der Beweisaufnahme und im Fall einer entsprechenden Verurteilung.

Für den umfangreichen Prozess hat das Landgericht zahlreiche Verhandlungstage angesetzt. Nach dem bisherigen Plan soll das Verfahren bis Anfang Oktober 2026 dauern. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für den Angeklagten die Unschuldsvermutung.

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