Rostock. Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow hat sich der Verhandlungstag am Mittwoch, 26. August 2026, vor allem um die ersten Aussagen von Gina H. nach dem Fund des Jungen gedreht. Im Landgericht Rostock wurde über mehrere Stunden die Videoaufzeichnung ihrer polizeilichen Vernehmung vom 14. Oktober 2025 gezeigt. Dabei wurden nicht nur bemerkenswerte Aussagen der heute Angeklagten bekannt. Gleichzeitig traten Unterschiede zu ihrer späteren Darstellung vor Gericht zutage.
Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian am 10. Oktober 2025 getötet und anschließend versucht zu haben, Spuren durch das Inbrandsetzen seines Leichnams zu beseitigen. Die Angeklagte bestreitet die Tat. Es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Der heutige Verhandlungstag im Ticker
10:30 Uhr – Polizistin beschreibt Gina H. als gefasst
Eine Kriminalbeamtin berichtet zunächst über den 14. Oktober 2025. Gina H. sei damals gesprächig und sachlich gewesen. Auf der Fahrt zur Vernehmung habe man unter anderem über ihre Pferde und ihr Kind gesprochen. Gleichzeitig habe Gina H. erklärt, dass sie am Vortag viel geweint habe und nun keine Tränen mehr kommen würden.
10:35 Uhr – Verteidigung will Vernehmungsvideo verhindern
Bevor die erste aufgezeichnete Vernehmung gezeigt werden kann, erhebt die Verteidigung Einwände. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Gina H. damals tatsächlich noch als Zeugin behandelt werden durfte oder möglicherweise bereits ein Anfangsverdacht gegen sie bestand.
11:48 Uhr – Gericht weist Einwände zurück
Nach einer Beratung entscheidet die Strafkammer, dass die Aufzeichnungen verwertet werden dürfen. Gina H. sei zum Zeitpunkt der ersten Befragungen noch als Zeugin geführt worden. Damit ist der Weg für die rund dreistündige Videoaufnahme frei.
12:05 Uhr – Gina H.s erste Vernehmung läuft
Im Gerichtssaal beginnt die Vorführung der Aufnahme vom 14. Oktober 2025. Die damalige Vernehmung hatte gegen 17.33 Uhr begonnen. Für die Prozessbeteiligten ist damit erstmals ausführlich zu sehen und zu hören, wie Gina H. unmittelbar nach dem Fund des Kindes gegenüber den Ermittlern auftrat.
12:18 Uhr – Vorwürfe gegen den achtjährigen Fabian
Gina H. spricht über ihr Verhältnis zu Fabian. Dabei behauptet sie unter anderem, der Junge habe versucht, sie und seinen Vater Matthias R. gegeneinander auszuspielen. Ihrer damaligen Darstellung zufolge habe Fabian seinen Vater für sich allein haben wollen.
Gleichzeitig beschreibt Gina H. ihr Verhältnis zu dem Kind als ausgesprochen eng. Fabian soll sie nach ihren Angaben sogar „Mama“ genannt haben.
12:39 Uhr – Gericht entdeckt unterschiedliche Angaben
Richter Holger Schütt stoppt zwischenzeitlich die Videoaufnahme. Anlass sind Unterschiede zwischen der damaligen Vernehmung und Gina H.s Einlassung vor Gericht. Unter anderem geht es um eine Schwangerschaft während ihrer Beziehung mit Matthias R. Während sie 2025 gegenüber der Polizei von einem verlorenen gemeinsamen Kind gesprochen haben soll, hatte sie vor Gericht zuletzt einen Schwangerschaftsabbruch geschildert.
12:53 Uhr – „Ich war ihm wichtiger wie sein Papa“
Eine weitere Aussage sorgt für Aufmerksamkeit: Gina H. beschreibt gegenüber den Ermittlern ihren eigenen Stellenwert bei Fabian als besonders hoch. Sie erklärt, sie sei für den Jungen wichtiger gewesen als dessen Vater.
14:16 Uhr – Gina H. wird zunehmend unruhig
Nach fast zwei Stunden Vernehmung verändert sich die Stimmung. Gina H. macht deutlich, dass sie Verpflichtungen habe. Unter anderem müssten ihre Pferde versorgt werden, außerdem wolle sie sich um ihren Sohn kümmern.
14:40 Uhr – Ermittler zweifeln an der Zufallsversion
Besonders intensiv wird die Befragung, als es um den Fund von Fabians Leiche geht. Gina H. beharrt darauf, dass sie den Jungen zufällig gefunden habe. Ein Ermittler stellt diese Darstellung jedoch offen infrage.
Gina H. reagiert zunehmend emotional. Sie bezeichnet den Fund sinngemäß als vollkommenen Zufall und beteuert, vorher nicht gewusst zu haben, dass Fabian dort lag.
14:50 Uhr – Warum kehrte Gina H. zum späteren Fundort zurück?
Gina H. schildert, dass sie am Abend zuvor gemeinsam mit Christian D. in dem Gebiet gewesen sei. Mithilfe eines Nachtsichtgerätes sei dort etwas entdeckt worden, das zunächst für eine Puppe gehalten worden sein soll.
Nach ihrer Darstellung habe sie anschließend jedoch ein ungutes Gefühl gehabt. Deshalb sei sie am folgenden Tag mit Heike M. erneut in die Gegend gefahren. Dort habe sie schließlich erkannt, dass es sich um Fabian handeln könnte, und die Polizei verständigt.
15:00 Uhr – „Mein Bauchgefühl lügt nie“
In der Vernehmung beschreibt Gina H. ausführlich ihre Gedanken nach dem nächtlichen Besuch. Sie habe Angst gehabt, dass es sich tatsächlich um Fabian handeln könnte. Gleichzeitig erklärt sie, Christian D. habe sie zuvor davon abgehalten, sofort die Polizei zu verständigen.
Brisant ist außerdem eine weitere Darstellung: Gina H. behauptet zunächst, sie habe ihrem Nachbarn Olaf K. nichts von dem Fund erzählt. Im bisherigen Prozessverlauf wurde jedoch bereits eine andere Version thematisiert. Danach soll sie Olaf K. noch in derselben Nacht ebenfalls zu dem späteren Fundort geführt haben.
15:47 Uhr – Ermittlerin stellt entscheidende Frage
Gina H. erklärt, ein „komisches Bauchgefühl“ habe sie am folgenden Morgen wieder in die Gegend geführt. Eigentlich habe sie mit Heike M. spazieren gehen und reden wollen.
Die vernehmende Polizistin hakt allerdings nach: Wenn sie lediglich spazieren gehen wollte, weshalb fuhr sie dann ausgerechnet wieder dorthin? Genau diese Frage betrifft einen der zentralen Punkte des Verfahrens.
15:52 Uhr – Auffälliger Unterschied bei Christian D.
Auch Gina H.s Verhältnis zu Christian D. wird thematisiert. In ihrer damaligen Vernehmung beschreibt sie die Beziehung als freundschaftlich und erklärt, zwischen ihnen sei nichts besonders Inniges gewesen.
Das unterscheidet sich jedoch von ihrer Einlassung vor Gericht am Montag. Dort hatte Gina H. von häufigen Treffen und Küssen mit Christian D. berichtet.
15:53 Uhr – Gina H. stimmt Untersuchung ihres Autos zu
Die Ermittler fragen Gina H., ob ihr Fahrzeug kriminaltechnisch untersucht werden dürfe. Sie erklärt sich damit einverstanden und betont, nichts mit der Tat zu tun zu haben.
15:55 Uhr – Gina H. bringt von sich aus ihr Auto ins Gespräch
Bemerkenswert ist, dass Gina H. anschließend selbst auf ihr Fahrzeug zu sprechen kommt. Fabian habe zuletzt während der Sommerferien darin gesessen. Außerdem erklärt sie, ihr Auto schon sehr lange nicht mehr gereinigt zu haben.
Diese Aussage ist deshalb relevant, weil im Prozess bereits thematisiert wurde, dass der Wagen wenige Tage vor dem Leichenfund gereinigt worden sein soll. Fotos davon soll Gina H. zudem an Christian D. geschickt haben.
15:56 Uhr – „Fabian habe ich nie angefasst“
Gina H. spricht erneut über das Verhalten des Achtjährigen und beschreibt ihn teilweise als provozierend. Gleichzeitig berichtet sie, ihr eigener Sohn habe von ihr einmal eine Ohrfeige bekommen.
Bei Fabian sei dies jedoch anders gewesen. Sie betont ausdrücklich, ihn niemals körperlich angefasst zu haben. Wenn er nicht gehört habe, habe sie ihn lediglich angeschrien.
15:57 Uhr – Gina H. räumt unvollständige Angaben ein
Ein weiterer wichtiger Moment: Gina H. räumt ein, den Ermittlern zunächst nicht alles erzählt zu haben. Insbesondere hatte sie zunächst verschwiegen, dass sie bereits am Vorabend gemeinsam mit Christian D. in der Gegend des späteren Fundortes gewesen war.
Gleichzeitig erklärt sie, sie habe nichts zu verbergen. Später behauptet sie zudem, Fabian wäre möglicherweise auch zu Fremden gegangen, wenn diese im Ort Süßigkeiten verteilt hätten. Fabians Mutter reagiert im Gerichtssaal auf diese Passage sichtbar und schüttelt den Kopf.
16:01 Uhr – Würde sie Fabians Vater eine schwere Tat zutrauen?
Die Ermittler fragen Gina H., ob sie Matthias R. zutrauen würde, Fabian schwer zu verletzen. Gina H. legt sich zunächst nicht eindeutig fest. Schließlich erklärt sie, sie würde ihm eine solche Tat eher schwer zutrauen.
16:04 Uhr – Mehr als drei Stunden Vernehmungsvideo sind vorbei
Nach mehr als drei Stunden endet die Vorführung der ersten polizeilichen Vernehmung. Gina H. hatte damals auch einer DNA-Probe zugestimmt.
Danach steht wieder die Kriminalbeamtin im Mittelpunkt. Sie weist darauf hin, dass Gina H. bereits am folgenden Tag erneut und aus eigenem Antrieb bei der Polizei erschienen sei.
„Ich hab keinen Bock mehr. Ich will nach Hause!“
Eine der bemerkenswertesten Szenen stammt aus einer Pause während der damaligen Vernehmung. Gina H. wird zunehmend ungeduldig und will wissen, weshalb sie die Dienststelle nicht verlassen könne. Dabei verweist sie unter anderem darauf, dass ihre Pferde draußen stünden und Hunger hätten. Außerdem sorgt sie sich nach eigenen Angaben um ihren Sohn und ihre Großeltern.
Schließlich macht sie deutlich, dass sie keine Lust mehr habe und nach Hause wolle. Die Äußerungen fallen am selben Tag, an dem der vermisste achtjährige Fabian tot gefunden worden war.
Der Prozess bleibt ein Indizienverfahren
Gina H. bestreitet weiterhin, Fabian getötet zu haben. Gleichzeitig werden im Prozess zahlreiche Aussagen, Spuren und zeitliche Abläufe untersucht. Gerade die jetzt gezeigten frühen Vernehmungen sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil das Gericht die damaligen Angaben mit späteren Aussagen sowie den Erkenntnissen aus den Ermittlungen vergleichen kann.
Fest steht bislang ausschließlich: Fabian verschwand am 10. Oktober 2025. Vier Tage später wurde seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, den Achtjährigen mit mehreren Messerstichen getötet und den Leichnam anschließend teilweise in Brand gesetzt zu haben. Gina H. weist diese Vorwürfe zurück. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
