Papageien in Köln gehören längst zum Stadtbild. Fast jeder kennt die grünen Vögel mit ihren roten Schnäbeln und lauten Rufen. Besonders am Rhein ziehen sie regelmäßig in großen Schwärmen über die Stadt. Doch viele Kölner glauben, dass die Tiere einst aus dem Kölner Zoo entkommen seien. Diese Geschichte hält sich seit Jahrzehnten. Allerdings gibt es dafür keinen gesicherten Beleg. Die tatsächliche Herkunft ist deutlich spannender.
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Papageien in Köln: Woher kommen die grünen Vögel?
Die auffälligen Tiere heißen Halsbandsittiche und gehören zur Familie der Papageien. Ursprünglich leben ihre wildlebenden Verwandten in Afrika und Asien. Deshalb wirken die grünen Vögel in einer deutschen Großstadt zunächst ungewöhnlich.
Bereits in den 1960er-Jahren lebten erste Halsbandsittiche frei in Köln. Damals hielten Menschen die exotischen Tiere häufig als Käfigvögel. Einige entkamen aus privaten Haltungen oder wurden möglicherweise ausgesetzt.
Die genaue Herkunft der ersten Kölner Tiere lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren. Dennoch gilt ihre Abstammung von ehemaligen Käfig- und Volierenvögeln als gesichert.
Die Geschichte mit dem Kölner Zoo stimmt so nicht
Besonders hartnäckig hält sich ein Gerücht: Angeblich sollen die Papageien bei einem Ausbruch aus dem Kölner Zoo entkommen sein. Allerdings ist diese Erklärung wissenschaftlich nicht belegt.
Eine mögliche Erklärung betrifft stattdessen einen privaten Vogelzüchter. Demnach könnte ein Sturm eine Voliere beschädigt haben. Dadurch wären mehrere Halsbandsittiche in die Freiheit gelangt. Diese Geschichte wird in ornithologischen Veröffentlichungen erwähnt. Allerdings lässt sich auch dieser Ablauf nicht abschließend nachweisen.
Interessant ist jedoch ein historischer Zusammenhang. Im Jahr 1969 gelang in Köln der erste dokumentierte Freiland-Brutnachweis eines Halsbandsittichs in Deutschland.
Und tatsächlich fand diese Brut auf dem Gelände des Kölner Zoos statt. Das erklärt möglicherweise, warum sich die Geschichte vom angeblichen Zoo-Ausbruch bis heute hält.
Entscheidend ist aber: Ein Brutplatz auf dem Zoogelände bedeutet nicht, dass die Elternvögel aus dem Tierbestand des Zoos stammten.
Auch die Universität zu Köln beschreibt diese frühe Entwicklung der freilebenden Papageien.
Warum überleben tropische Papageien deutsche Winter?
Eigentlich würde man erwarten, dass tropische Vögel mit Frost und Schnee Schwierigkeiten haben. Doch Halsbandsittiche sind erstaunlich anpassungsfähig.
Zunächst profitieren sie vom vergleichsweise milden Klima des Rheinlands. Außerdem speichern Gebäude Wärme, sodass Städte häufig wärmer bleiben als ihre Umgebung.
Hinzu kommen zahlreiche Parks, Gärten und alte Baumbestände. Dort finden die Papageien Nahrung und geeignete Brutplätze.
Besonders gerne fressen sie Knospen, Samen, Früchte und andere pflanzliche Nahrung. Gleichzeitig nutzen sie Baumhöhlen, um ihren Nachwuchs aufzuziehen.
Deshalb konnten sich die Tiere über Jahrzehnte erfolgreich vermehren. Inzwischen leben Halsbandsittiche nicht nur in Köln, sondern auch in Bonn, Düsseldorf und weiteren Städten entlang des Rheins.
Aus wenigen Papageien wurden Tausende
Die Entwicklung begann mit wenigen frei lebenden Exemplaren. Doch nach und nach wuchs die Population deutlich.
In den 1990er-Jahren lebten bereits mehrere Hundert Papageien in Köln. Spätere Schätzungen gingen von mehreren Tausend Halsbandsittichen aus. Allerdings schwanken die Bestandsangaben je nach Erhebungszeitpunkt und Zählmethode.
Besonders auffällig ist das Verhalten der Tiere am Abend. Denn Halsbandsittiche verbringen die Nacht gerne gemeinsam in großen Gruppen.
Warum versammeln sich die Papageien abends am Rhein?
Tagsüber suchen die Vögel in unterschiedlichen Stadtteilen nach Nahrung. Gegen Abend fliegen sie dagegen zu gemeinsamen Schlafplätzen.
Dabei entstehen große Schwärme, die teilweise aus Hunderten oder sogar Tausenden Tieren bestehen. Ihre lauten Rufe sind schon aus größerer Entfernung zu hören.
Bekannte Schlafplätze befinden sich unter anderem an der Rheinuferstraße. Besonders der Bereich zwischen dem Maritim-Hotel und dem Schokoladenmuseum ist für solche Ansammlungen bekannt.
Auch die Stadt Köln informiert über die Schlafbäume der Vögel.
Allerdings sorgen die Tiere nicht überall für Begeisterung. Denn ihre Rufe können sehr laut sein. Außerdem hinterlassen große Schwärme erhebliche Mengen Vogelkot.
In Köln leben sogar zwei Papageienarten
Neben den bekannten Halsbandsittichen hat sich eine zweite Art etabliert. Dabei handelt es sich um den Großen Alexandersittich.
Dieser ist größer und kräftiger gebaut. Außerdem besitzen die Tiere auffällige rote Schulterflecken, die bei genauer Betrachtung erkennbar sind.
Während der Halsbandsittich bereits seit den 1960er-Jahren in Köln lebt, wurde der Große Alexandersittich später als Brutvogel nachgewiesen.
Sind die Kölner Papageien gefährlich für heimische Vögel?
Die grünen Papageien gelten als gebietsfremde Arten. Deshalb untersuchen Naturschützer, welche Auswirkungen sie auf die heimische Vogelwelt haben.
Besonders interessant ist dabei die Konkurrenz um Baumhöhlen. Denn auch heimische Vogelarten benötigen solche Plätze für ihre Brut.
Allerdings lässt sich daraus nicht automatisch eine umfassende Verdrängung heimischer Vögel ableiten. Vielmehr muss die Wirkung auf einzelne Arten und Lebensräume wissenschaftlich untersucht werden.
Weitere Informationen zu den Vögeln bietet der NABU Köln.
Fazit: Kölns Papageien sind längst heimisch geworden
Die Papageien in Köln sind ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie sich ursprünglich gefangene Tiere dauerhaft in einer neuen Umgebung ansiedeln können.
Ihre Vorfahren kamen durch Menschen nach Deutschland. Anschließend gelangten einzelne Vögel in die Freiheit. Dort fanden sie ausreichend Nahrung, geeignete Brutplätze und ein vergleichsweise günstiges Klima.
Die verbreitete Behauptung, sämtliche Kölner Papageien stammten aus einem Ausbruch im Zoo, ist dagegen nicht belegt.
Fest steht jedoch: Seit mehr als einem halben Jahrhundert gehören die grünen Papageien zu Köln. Und mittlerweile sind ihre abendlichen Schwärme für viele Menschen genauso typisch für die Stadt wie der Rhein und der Dom.
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