Studentin gesteht Tötung ihres neugeborenen Babys
Lexington/Kentucky. Eine ehemalige Studentin der University of Kentucky hat vor Gericht eingeräumt, ihren neugeborenen Sohn nach einer heimlichen Geburt getötet zu haben. Die inzwischen 22 Jahre alte Laken Snelling bekannte sich außerdem wegen des Missbrauchs eines Leichnams, der Manipulation von Beweismitteln sowie der Verheimlichung einer Geburt schuldig. Die Staatsanwaltschaft empfiehlt insgesamt 13 Jahre Haft. Allerdings steht das endgültige Strafmaß noch nicht fest.
Der Fall begann bereits am 27. August 2025 in einem Wohnhaus an der Park Avenue in Lexington. Dort brachte die damalige Studentin ihren Sohn allein in ihrem Zimmer zur Welt. Anschließend starb das neugeborene Kind. Wie die Polizei in Lexington später mitteilte, kam der Junge lebend zur Welt. Die Gerichtsmedizin stellte Ersticken beziehungsweise Sauerstoffmangel als Todesursache fest. Auf welche konkrete Weise dieser verursacht wurde, ließ sich medizinisch jedoch nicht eindeutig bestimmen.
Studentin schildert die Tat vor Gericht
Während einer Anhörung am Fayette Circuit Court legte Snelling schließlich ein umfassendes Schuldbekenntnis ab. Nach übereinstimmenden US-Medienberichten erklärte sie, sie habe zum Zeitpunkt der Geburt unter erheblichem emotionalem Stress gestanden. Außerdem sei das Baby für sie unerwartet zur Welt gekommen.
Anstatt Hilfe zu holen, habe sie dem Kind jedoch den Sauerstoff entzogen. Gegenüber Richterin Diane Minnifield räumte die 22-Jährige deshalb ein: „Ich habe sein Leben beendet.“ Danach habe sie das Zimmer gereinigt und niemandem von der Geburt berichtet. Damit gestand die ehemalige Studentin nicht nur ihre Verantwortung für den Tod des Kindes, sondern ebenso die anschließende Beseitigung von Spuren.
Weitere aufsehenerregende Gerichtsverfahren beschäftigen immer wieder die Öffentlichkeit. So begann beispielsweise in Massachusetts ein Prozess gegen eine Mutter nach dem Tod ihrer drei Kinder. Außerdem sorgte ein Missbrauchsprozess vor dem Landgericht Koblenz für große Aufmerksamkeit.
Baby in einem Kleiderschrank entdeckt
Nach Angaben der Ermittler wickelte Snelling ihren Sohn nach der Geburt in ein Handtuch. Anschließend legte sie das Kind zusammen mit weiteren Gegenständen in einen schwarzen Müllbeutel, den sie in ihrem Kleiderschrank versteckte. Ihre Mitbewohnerinnen hatten zuvor ungewöhnliche Geräusche aus dem Zimmer gehört und wurden deshalb misstrauisch.
Später verließ die Studentin das Haus. Medienberichten zufolge besorgte sie sich dabei Essen bei McDonald’s. Währenddessen beziehungsweise kurze Zeit später entdeckten ihre Mitbewohnerinnen zunächst Blutspuren sowie benutzte Handtücher. Schließlich fanden sie auch den leblosen Säugling und alarmierten die Polizei.
Die Einsatzkräfte trafen gegen 10.30 Uhr an dem Wohnhaus ein. Allerdings konnten sie dem neugeborenen Jungen nicht mehr helfen. Der Rettungsdienst stellte den Tod noch am Fundort fest. Die Polizei nahm die Mutter wenige Tage danach fest. Zunächst bestritt sie jedoch, ihr Baby vorsätzlich getötet zu haben.
Handydaten spielten bei den Ermittlungen eine Rolle
Im Verlauf der Ermittlungen werteten die Behörden außerdem das Mobiltelefon der jungen Frau aus. Dabei fanden sie nach Medienberichten Suchanfragen zur Schwangerschaft sowie zur bevorstehenden Entbindung. Zudem soll Snelling Fotos gelöscht haben, die während der Geburt entstanden waren.
Die Ergebnisse der Gerichtsmedizin veränderten das Verfahren anschließend entscheidend. Denn die Untersuchung ergab, dass der Junge nach seiner Geburt gelebt hatte. Eine Grand Jury erhob deshalb im März 2026 zusätzlich Anklage wegen „Manslaughter in the First Degree“. Dieser Straftatbestand lässt sich allerdings nicht vollständig mit einer einzelnen deutschen Bezeichnung wie Mord oder Totschlag gleichsetzen.
Auch in Deutschland spielen rechtsmedizinische Untersuchungen und nachträglich ausgewertete Spuren häufig eine entscheidende Rolle. Das zeigte zuletzt unter anderem der Cold-Case-Prozess um Amy Lopez in Koblenz. Ebenso führten umfangreiche Ermittlungen im Fall einer bei München entdeckten Leiche zu einem Tatverdächtigen.
Staatsanwaltschaft empfiehlt insgesamt 13 Jahre Haft
Snelling hatte die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen. Noch im April 2026 erklärte sie sich für nicht schuldig. Danach nahm ihre Verteidigung jedoch Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft auf. Im August änderte die 22-Jährige schließlich ihre Erklärung und bekannte sich in sämtlichen Anklagepunkten schuldig.
Wie der US-Fernsehsender LEX 18 berichtet, empfiehlt die Anklage zehn Jahre Haft für das Tötungsdelikt. Hinzu kommen demnach drei weitere Jahre wegen des Umgangs mit dem Leichnam, der Manipulation von Beweisen sowie der verheimlichten Geburt.
Damit steht eine Gesamtstrafe von 13 Jahren im Raum. Allerdings handelt es sich bislang ausschließlich um die Empfehlung der Staatsanwaltschaft. Die zuständige Richterin entscheidet erst bei der Strafmaßverkündung über die tatsächliche Haftdauer. Sollte sie eine höhere Strafe als vereinbart verhängen wollen, könnte Snelling nach Angaben des Senders ihr Geständnis zurückziehen und ein Verfahren vor Geschworenen verlangen.
Strafmaß soll im Oktober verkündet werden
Die Verkündung des Strafmaßes ist für den 16. Oktober 2026 vorgesehen. Bis dahin bleibt offen, ob das Gericht der Empfehlung der Staatsanwaltschaft vollständig folgt. Weitere Einzelheiten zu dem Geständnis veröffentlichte auch die regionale Zeitung Northern Kentucky Tribune.
Der Fall hat in den USA große Bestürzung ausgelöst. Zugleich zeigen die Ermittlungen, wie wichtig rechtsmedizinische Befunde, digitale Spuren und Zeugenaussagen für die Aufklärung schwerer Straftaten sein können. Weitere Berichte über aktuelle Gerichtsverfahren gibt es unter anderem zum Block-Verfahren in Hamburg sowie zu einem tödlichen Angriff auf einen Studenten in Trier.
